Das Glarnerland wird oft liebevoll-spöttisch als «Zigerschlitz» bezeichnet. Dies ist nicht zuletzt der gewaltigen Ostwand von Rautispitz und Wiggis zuzuschreiben, mit fast 2000 m Höhe verstärkt sie den Eindruck des Glarner Haupttales als Schlitz zwischen himmelhohen Bergwänden.
Kurz nach 7:30Uhr starten wir beim Obersee zu einer langen und strengen Tour mit vielen Höhenmetern. Am südl. Ufer bei Grapplihoren beginnt der Weg zu steigen. Bei noch angenehmen Temperaturen im Wald gewinnen wir auf dem steilen Bergweg schnell an Höhe. Bei Pkt. 1358 machen wir eine kurze Trinkpause. Weiter über Gletti wird der Weg immer steiler und wir gelangen an den Fuss einer schier unüberwindbaren Felswand. Doch geschickt durch Felsbänder und mit Drahtseilen versichert schlängelt sich der Weg nach Geisschappelen an den Fuss einer weiteren Felsbarriere. Bei einem Felsvorsprung am Schatten stärken wir uns für die restlichen steilen Passagen Richtung Rautispitz.
Nach etwas mehr als 3h Gratulieren wir uns zum 1. Gipfel. Überwältigend ist der Tiefblick ins Glarnerland, zum Glärnisch, in die Zentralschweizer Alpen und zum Alpstein.
Die Gipfelrast können wir allerdings nicht so richtig geniessen, denn wir werden von den herumschwirrenden Mücken und Fliegen fast aufgefressen. Vom Rautispitz scheint der Wiggis nur einen Katzensprung weit entfernt. Doch die mit Ketten versicherte Traversierung muss verdient werden. Nach einem kurzem Abstieg zu Pkt 2166 folgt die ausgesetzte Querung Richtung Hochnasen. Hier ist ausrutschen verboten, denn schier senkrecht fallen die Wände 2000m hinunter nach Netstal. Nochmals ein kurzer steiler Aufstieg und wir Gratulieren uns zum 2. Mal auf dem Wiggis und Verspeisen unseren Mittagslunch.
Jetzt um die Mittagszeit ist auch hier auf über 2000m sehr warm geworden. Und der Weg zu unserem Ziel dem Klöntalersee ist noch sehr weit und wird uns noch sehr viel Schweiss kosten. 5h stehen auf einem Wegweiser. 4 ½h sollten es werden.
Über einen luftigen Grat gings weiter zu Tor Pkt. 2140 und leitete den steilen Abstieg unterhalb einer Imposanten Felswand ein. Der 1 Abstieg Richtung Auerenalp war sehr mühsam. «Fadegrad» , steil und mit viel losem Geröll übersät zog sich der schamle Weg hinunter. Etwas Oberhalb dieser Alp machten wir eine Trinkpause, denn ab hier folgten nochmals fast 300Hm Gegenaufstieg zum Gumensattel. Oben angekommen entdeckten wir erneut unser Ziel den Klöntalersee. Weit, sehr weit unten ca. 1100m weiter unten.
Dem Weg folgend, weiterhin steil und mit Schotter gespickt steigen wir ab. Die Luft wurde immer heisser und die letzten Trinkresereven wurden aufgebraucht. Und endlich nach weiteren 2h erreichten wir Rhodannenberg am Klöntalersee. Zuerst erfrischten wir uns mit einem Bad im Klöntalersee und gönnten uns anschliessend im Restaurant die Wohlverdient EWF Runde.
Anmerkung: Diese Tour folgt der 3. Etappe der Glaralpina. Diese umfasst 19. Etappen rund ums Glarnerland.
Die Wegabschnitte vom Wiggis zum Klöntalersee werden offenbar sehr wenig begangen. Zeitweise ist die Wegfindung schwierig und die Markierungen eher selten.
Der Tourenleiter:
Stefan Signer, Herisau