Der Wetterbericht versprach einen schönen Tag dank Zwischenhoch. Als der Tourenleiter zuhause aus dem Haus trat, regnete es jedoch noch. Der Regen hörte bald auf, und bereits dem Zürichsee entlang zeigte sich strahlend blauer Himmel.
Am Bahnhof Linthal trafen wir die Ostschweizer Teilnehmenden und stiegen in den vollen Bus der Auto Uri AG Richtung Klausen Passhöhe. Wer ein gelbes Postauto erwartet hatte, wurde enttäuscht: Diese touristische Verbindung war während der Corona-Zeit wegen mangelnder Rentabilität von der Postauto AG eingestellt worden, wie der gesprächige Chauffeur erzählte. Als die Auto Uri AG den Sommerbetrieb über den Pass übernahm, verbot die Post, die Fahrzeuge gelb zu halten, und wollte sogar das bekannte «Dü-Da-Do» des Warnhorns untersagen. Dies scheiterte jedoch am Strassenverkehrs-Gesetz. Diese und weitere Anekdoten erzählte der gut gelaunte Chauffeur in kernigem Urner Dialekt und liess zur Unterstreichung in der nächsten Kurve gleich das Horn ertönen.
An der Haltestelle Klausen Balm, kurz nach der Passhöhe, stiegen wir aus und stärkten uns im Berghotel Balm, bevor wir die steilen 450 Höhenmeter unter die Füsse nahmen. In der Ausschreibung hatte ich bunte Blumenwiesen am Wegrand versprochen; bei meiner Erkundungstour Anfang Juli stimmte das noch. Inzwischen war der Sommer hier oben jedoch fast vorbei und mit ihm die Blumenpracht. Einige Fransen-Enziane entdeckten wir dennoch, eine Enzianart, die ich bisher nicht kannte. Nach etwa einer Stunde erreichten wir leicht verschwitzt das Balmer Grätli, machten eine erste Pause und genossen den Blick auf die grossen Urner Berge wie Schärhorn, Gross Windgällen, Krönten und viele mehr. Im Norden und Osten zeigten sich die Glattalp und die weiten Karrenfelder des Silberen, tief unter uns die ausgedehnten Alpweiden des Bisisthal.
Dieses Panorama begleitete uns nun auf dem schmalen, aber gut begehbaren Weg dem Grat entlang, vorbei an Felstürmen bis zur Ruosalper Chulm. Stellenweise etwas ausgesetzt, verlangte der Weg Konzentration. Eine halbe Stunde später erreichten wir die Chulm, wo es Zeit war, das mitgebrachte Picknick auszupacken; ein gemütlicher Platz lud zum Verweilen ein. Auch hier liess sich die Aussicht ausgiebig bewundern. Aus Süden wurde die Sicht jedoch zunehmend diesig – der angekündigte Saharastaub machte sich bemerkbar.
Nach der Rast nahmen wir den langen Abstieg in Angriff. Er führte zunächst mässig absteigend über die ausgedehnten Weiden der Ruosalp und weiter unten über Alpsträsschen. Bei Eggen stieg der Weg nochmals kurz an, bevor er, etwas versteckt, dem Spitzbach entlang direkt hinunter zum Fahrsträsschen führte, das uns in wenigen Kurven zur Haltestelle Sahli im Bisisthal brachte. Es blieb genügend Zeit, im kleinen Bergbeizli «Sahlialp» die Kurt-Nussbaumer-Runde zu genehmigen. Leider war die Zapfanlage defekt, und in Flaschen gab es nur alkoholfreies Bier; sauren Most hatte es jedoch genug. Trotz dieses Mangels war es ein gemütlicher Abschluss der Tour und half, die bevorstehende Heimreise mit dem Bus durch das lange Muotathal bis nach Arth-Goldau besser zu ertragen.
Der Tourenleiter:
Jakob Blickenstorfer, Winterthur


