Ich mag eigentlich schöne und warme (heisse) Sommer. Aber dieses Jahr übertreibt es der Sommer wohl etwas. Die anhaltenden heissen Temperaturen in Kombination mit dem Niederschlagsdefizit aus vergangenem Winter setzten unseren Gletschern arg zu.
Abklärungen im Vorfeld der Tour ergaben, dass der geplante Aufstieg von der Cab. des Dix auf der Nordseite über die sogenannte Mur de la Serpentine auf die Pigne d`Arolla nicht ratsam ist. Alles weitere werden wir während der Tour entscheiden…
Donnerstag, 16. Juli: Arolla - Cab. des Vignettes 3153m
Wir reisen also direkt nach Arolla an. Ca. um 12:15 Uhr beginnen wir mit dem Aufstieg zur Cab. des Vignettes. Es ist sonnig und heiss. Kurz nach dem Kurhaus verpassen wir eine Abzweigung und auf der Alp Les Tsijiores Nouves bemerken wir, dass wir falsch sind. Ein kurzer Abstieg wurde unumgänglich, um den tossenden Bergbach bei einem neu erstellten Übergang zu überwinden und wieder auf den richtigen Weg Richtung zur Hütte zu gelangen.
Anschliessend ging es steil hinauf über einen Moränenkamm Richtung Glacier de Pièce. Ca. auf 2700m montieren wir die Gletscherausrüstung und setzten den Aufstieg fort. Zwischenzeitlich sind dunkle und schwarze Wolken aufgezogen. Aber zum Glück hält sich der Regen in Grenzen, so dass wir nicht ganz durchnässt werden. Kurz nach 16:00 Uhr erreichen wir dann die Cab. des Vignettes.
Profil: +1170m, 4h
Freitag, 17. Juli: Pigne d`Arolla 3779m
Der Pigne d`Arolla ist zwar kein Viertausender, aber dennoch eine beeindruckende Berggestalt. Dieser Berg ist normalerweise stark frequentiert, doch heute werden wir allein unterwegs sein zu diesem Gipfel.
Um 8:00 Uhr starten wir zur Tour. Die Wolken der nächtlichen Gewitter haben sich langsam verzogen und die Gipfel sind leicht angezuckert. Mit montierten Steigeisen gings zum Col des Vignettes und in südwestlicher Richtung unter dem grossen Gletscherbruch hindurch. Pkt. 3160 lassen wir links liegen und steigen über einen Geröll-Grat bis ca. 3300m. Hier befindet sich auch schon die eigentliche Schlüsselstelle der Tour. Über eine ca. 35-40 Grad steile Flanke, welche teilweise bereits blank war gelangen wir auf den weniger steilen Gletscher. Allerdings ist der Schnee sehr weich, tief und anstrengend zum Gehen. Auch einige Spalten mussten umgangen werden und nach rund 3h stehen wir auf der Pigne d`Arolla. Überwältigend ist der Tiefblick nach Arolla. Aber ein eisiger Wind weht und wir halten die Gipfelrast eher kurz, steigen auf der Aufstiegsroute wieder ab bis zum Felsgrat und holen die Mittagsrast nach.
Kurz nach der Mittagszeit sind wir wieder auf der Hütte und erholen uns für den kommenden Tag.
Profil: +660m/-660m, ganze Tour ca. 5-6h
Samstag, 18. Juli 20: Cab. des Vignettes - Col de l` Evêque 3371m - Cab. Bertol 3265m
Heute ging es um 5 :30Uhr los. Via Col de Vignettes und Pkt. 3160 zum Glacier de Vouibé. Der Einstieg auf den Gletscher erwies sich als knifflig. Eine breite Spalte trennte den Gletscher vom Felsen, aber wir finden eine geeignete Stelle um den Gletscher zu betreten.
Gemächlich in südöstlicher Richtung steigen wir Richtung Col de l`Evêque. Kurz vor dem Col wurde es dann doch noch steiler und auch hier mussten etliche Spalten umgangen werden. Irgendwo finden wir aber einen Weg und nach ca. 3h sind wir auf dem Col.
Wir überqueren kurz die Grenze nach Italien und steigen ab Richtung Col de Collon. Auch hier überall Spalten…
Auf einer Höhe von ca. 3000m geht der Gletscher dann in eine riesige Geröll Wüste über. Steinblöcke, Geröll und Schutt soweit das Auge reicht. Und einen Weg zu finden ist gar nicht so einfach. Ungefähr bei Pkt. 2553 sind wir dann leider auf der falschen Seite eines wilden Gletscherbaches. Jeder sucht sich für Ihn eine passende Stelle den Bach zu überqueren. Manche ziehen die Schuhe aus und waten durch den eiskalten Bach, während die anderen die Bergschuhe mit Gletscherwasser füllen..
Nachdem jeder einen Weg über den Gletscherbach gefunden hatte, vereinen wir uns wieder zur Gruppe, halten Mittagsrast und lassen allfällige nasse Schuhe und Kleider an der wärmenden Sonne antrocknen.
Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weiterweg nach Bertol. Ab hier folgt das Zückerchen der heutigen Tour. Rund 700Hm Aufstieg zur Cab. Bertol. Diese Hütte klebt wie ein Adlerhorst zuoberst auf einem Felsen und der Schlussaufstieg erfolgt über steile Leitern und fordert nochmals viel puste. Kurz nach 15:00 Uhr sind wir auf der Hütte, welche bis zum Abend bis auf den letzten Platz belegt sein wird.
Profil: Ca.+1200m/-1100m ganze Tour ca. 9h
Sonntag, 19. Juli: Tête Blanche 3706m
5:00 Uhr morgens noch in der Morgendämmerung steigen wir wieder über Leitern hinab auf den Glacier du Mont Miné. In gemächlicher Steigung geht es weiter Richtung Col de Bouquetins in die Nähe von Pkt.3339. Ab hier wird es steiler bevor man ein Plateau auf ca. 3650m erreicht. Auch hier wieder viele Spalten die umgangen werden müssen. Zudem weht ein eisiger Wind und etwas Nebel ist aufgezogen. Trotzdem setzen wir den Aufstieg fort und kurz darauf reichen wir uns die Hände auf der Tête Blanche.
Nebelschwaden beeinträchtigen leider die Sicht auf das benachbarte Matterhorn und Dent d`Hérens.
Am Vortag hatten wir zusammen beschlossen, aufgrund der Verhältnisse auf den geplanten Abstieg via Stockji Gletscher und Schönbielhütte nach Zermatt abzusteigen zu verzichten.
Beim Blick hinunter auf den Stockji Gletscher erwies sich dieser Entscheid als völlig Richtig. Riesige Spalten säumten den Stockji Gletscher.
Nach kurzer Rast und ein paar Fotos machen wir uns wieder auf den Abstieg Richtung Cab. Bertol, welche wir kurz vor 11 Uhr wieder erreichen.
Nach ca. 1h Stunde Rast in der Hütte machen wir uns bereit für den Absteig nach Arolla. Die steilen Leitern und das anschliessende Geröllfeld erfordert nochmals unsere volle Aufmerksamkeit. Um 15:15Uhr erreichen wir Arolla und es bleibt uns eine Stunde Zeit für die wohlverdiente EWF Runde.
Profil: Tête Blanche +/- ca 500m 6h ; Abstieg nach Arolla -1450m ca. 3 ½ h
Fazit: Obwohl die ganze Tour mit L-WS eingestuft wird, war die Tour wegen dem wenigem Schnee und den vielen Spalten doch eher sehr anspruchsvoll…
Der Tourenleiter:
Stefan Signer, Herisau