Die Idee, bei meinen künftigen Wanderungen mehr auf das Erlebnis als auf Dauer und Höhenmeter zu achten, hat bereits für diese Wanderung eine stattliche Anzahl Teilnehmende angelockt, trotz der langen Anreise. In Biel besetzten wir im Speisewagen alle freien Plätze für den Startkaffee bis Delémont. Zur Entlastung des Kellners verteilte Jose die Tassen und ich übernahm die Bezahlung als Kurt Nussbaumer Runde. In Delémont wurde der Anschluss nach Porrentruy trotz unserer Verspätung aufrechterhalten und durch Umsteigen am gleichen Perron erleichtert.
Nach einer kurzen Einlaufstrecke und dem Überqueren der Allaine, dem Hauptfluss der Ajoie, erreichten wir die schön herausgeputzte Altstadt, die den Glanz vergangener Zeiten ausstrahlt. Die Fürstbischöfe von Basel residierten von 1524 – 1792 im Schloss. Durch verschiedene Gassen mit prächtigen Bauten erreichten wir im Strässchen Aux Capucins eine unscheinbare Türe, der Zugang zum internen Aufstieg zum Schloss: Über eine massive Holztreppe, einen Verbindungsgang und eine metallene Wendeltreppe erreichten wir den dreieckförmigen Schlosshof. Im Schloss sind die Gerichte des Kantons Jura untergebracht. Das Gefängnis wird wegen schlechten Haftbedingungen nach Moutier verlegt. Für die Besteigung des Refous-Turms führt die erste Treppe aussen herum. Im Innern ist eine schwache Beleuchtung eingerichtet, so dass man die hohen Tritte mit den Füssen ertasten muss. Zuoberst belohnt die schöne Aussicht auf Stadt und Umgebung die Anstrengung.
Anschliessend sind wir über die kleine Zufahrtsstrasse zur Porte de France abgestiegen, ein Stück der Allaine gefolgt und bei der Kapelle Lorette zum Ô Vergers d'Ajoie aufgestiegen. Dies ist ein Bauerngut mit Obst- und Brennereimuseum, Verkaufsladen für Bioprodukte, dem Restaurant und bietet auch den Schnaps der Damassine-Pflaume an, die nur in der Ajoie angepflanzt wird. Die Karte des Restaurants ist beschränkt, aber die Speisen sind hervorragend zubereitet und präsentiert.
Bestens verpflegt machten wir uns auf den Rückweg nach Porrentruy. Stichworte zum zweiten Teil des Stadtrundgangs: kleiner Überrest der Stadtmauer, Botanischer Garten beim Jesuiten-Gymnasium, Foucaultsches Pendel (Beweis der Erdrotation), Stadthaus, Hotel Dieu (ehemaliges Spital, heute Apothekenmuseum).
Im Hotel de la Gare überbrückten wir die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges mit dem Schlusstrunk. Der Versuch, trotz kurzer Wanderdistanz einen interessanten Tag zu verbringen war gelungen.
Der Tourenleiter:
Rolf Vogt, Erde


