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Safranessen Mund

Tourenleiter:
Rolf Vogt, Erde / Conthey

Teilnehmer: 26

Datum:
Sonntag, 31. Oktober 2010

Wetter:
bedeckt, Regen

Bericht:
Wanderung

Wanderstrecke Vormittag: Safran-Lehrpfad Mund, Nachmittag: Mund – Bodma – Finnu - Eggen
Höhendifferenz: +342 / -469
reine Wanderzeit Nachmittag: 2 Std. 10 Min.

Ereignisreicher Saisonschluss
Die Idee, Wanderlust mit diesem kulinarischen Genuss zu verbinden, stammt von Ernst Egli und war ein voller Erfolg. Mit Ernst und dem noch Präsidenten waren 18 Wandernde und 8 Postautofahrer angemeldet, inklusive den auf den Rollstuhl angewiesenen Kurt Nussbaumer. Was würde uns wohl der angekündigte starke Föhn bescheren?

Gegen 2 Uhr weckte mich der starke Föhnsturm und machte mir klar, dass wir unter diesen Umständen nicht wandern konnten. So klärte ich die Ersatzvariante ab: Statt über die Bergstrecke nach Lalden zu fahren, sollten die Wanderer mit den übrigen durch den Basistunnel nach Brig und mit dem Postauto nach Mund fahren und vor dem Mittagessen den Safranlehrpfad besichtigen.

Beim Aufstehen hatte sich der Sturm gelegt und die Sonne grüsste, ich war erleichtert. Kaum waren wir im Zug erreichte uns der Anruf von Ernst, der "Lötschberger" hätte in Bern ihren verspäteten Zug nicht abgewartet und sie würden über Brig nach Lalden fahren. Da die Zeiten eher knapp bemessen waren um das Postauto in Finnen zu erreichen, beschloss ich, auf den Plan B umzuschalten. Opfer waren dann Heidi und Max Leuenberger, die von Basel her den Zug erreicht hatten! Dank der per E-Mail verteilten Karte und einer Rückfrage per Handy fanden sie den Weg nach Mund.

Bei unserer Ankunft in Mund blies der Föhn leicht, manchmal war die Sonne durch die Wolken zu erkennen aber die gegenüberliegenden Berge waren in dichte Wolken gehüllt und es schien zu regnen oder schneien. Meine Frau Lisa unternahm mit den weniger Wandertüchtigen einen Rundgang durch das malerische Dorf. Wir machten uns auf den Lehrpfad, der uns eindrücklich zeigte, wie anstrengend die Arbeit auf diesen steilen Äckern sein muss. Wohl wegen der Wetterbedingungen waren nur wenige Blüten zu sehen. Viele schienen schon geerntet zu sein, andere noch nicht gewachsen.

Edi und der Präsident machten sich auf den Weg um die beiden Basler auf der restlichen Strecke zu begleiten. Sie wählten dann aber einen tieferen Weg, so dass sie die Gesuchten verpassten. Wir wollen nicht darüber grübeln, wer von den Beiden die Karte interpretierte. Dank Handy-Kontakt fanden schliesslich alle, mehr oder weniger verschwitzt das Restaurant.

Dank schnellem Service konnten wir uns gemütlich dem ausgezeichneten und reichlichen Essen widmen: Safransuppe und geschnetzeltes Poulet mit Safranreis und Gemüse, begleitet von manch gutem Tropfen Wein. Auch das Zahlen ging rassig: Die Chefin rechnete im Kopf zusammen und die Kellnerin kassierte!

In der Zwischenzeit hatte ganz leichter Nieselregen eingesetzt. In Absprache mit den Präsidenten entschieden wir uns für die Wanderung nach Finnu. Vorbei an zahlreichen typischen Walliser Holzhäusern und Speichern aber auch neueren Gebäuden verliessen wir Mund, passierten unterhalb von Färchu und erreichten die erste happige Steigung nach Bodma. Der Regen verstärkte sich, so dass auch die Letzten sich und den Rucksack schützen mussten. Der Bergweg erforderte unsere ganze Aufmerksamkeit. Der Blick in den Talgrund und auf die gegenüberliegenden Anhöhen (Stand, Gebidem, Simplonpassstrasse und Rosswald) war immer wieder frei, doch das prächtige Alpenpanorama (Weiss- und Matterhorn, Mischabelgruppe, Fletschhorn) blieb uns verwehrt. Bald erreichten wir auf 1474m den höchsten Punkt im prächtigen Bergwald und wenig später war der Weiler Finnu durch die Bäume zu erkennen.

Finnen war bis 1854 eine selbständige politische Gemeinde (heute Eggerberg, Grossfusion mit Visp, Visperterminen, Baltschieder, Bürchen und Ausserberg geplant) und bis 1798 Freigericht (1798 letzte Hinrichtung am Galgen).

Der Tiefschlag kam beim Restaurant: Geschlossen! Wegen des Wetters hatte der Wirt den angekündigten Austrinket mit den Bewohnern abgesagt (letzte Postautofahrt des Jahres). Da uns genügend Zeit blieb, stiegen wir bis Eggen ab. Wie wir die Strasse beim dortigen Restaurant erreichten, fuhr das Postauto um die Kurve Richtung Finnen. Da die nächsten Haltestellen etwas entfernt sind, hielt ich den Fahrer an, informierte ihn dass wir die für Finnen angemeldete Gruppe seien und machte mit ihm ab, dass er vor der Wirtschaft anhalte. So konnten wir den Schlusstrunk in Ruhe geniessen und uns über den versöhnlichen Abschluss freuen.

Nachdem einige Schichtarbeiter der Lonza aus Eggerberg beim Fabrikgelände ausgestiegen waren, erreichten wir wohlbehalten und in guter Laune den Bahnhof Visp. Wetterbedingt war der Andrang in Visp gering und die ab Brig reservierten Plätze frei. Die Nichtwanderer waren mit dem Postauto von 14.20 nach Brig gefahren, hatten aber wegen des Regens auf den vorgesehenen Stadtrundgang verzichtet.

Ich danke allen Teilnehmenden an meinen Wanderungen für ihre vorbildliche Kameradschaft und freue mich, ihnen auch nächstes Jahr wieder wenig bekannte Gegenden zeigen zu dürfen. 45 haben an mindestens einer Wanderung teilgenommen, Edi Ehrbar an allen!

NB Richtung Sitten waren die Strassen wenige Kilometer nach Visp trocken!!

Safran
Der Safran soll gemäss einer Sage im 14. Jahrhundert von einem Söldner im Haarschopf aus Spanien herausgeschmuggelt worden sein. Mund ist der einzige Anbauort in der Schweiz. Safran benötigt trockenen, kargen Boden. Die Knollen sind in Mund in den Roggenfeldern 15 – 20 cm tief vergraben und blühen erst Ende Oktober bis Anfang November, nachdem der Roggen Ende Juli geerntet und Mitte September wieder neu gesäht wurde. Safran vermehrt sich durch Knollenteilung. Die Knollen verbleiben im Boden und werden nur von Zeit zu Zeit neu vergraben. Gepflückt werden die ganzen Blüten und dann die 3 roten Narben abgetrennt und getrocknet, wobei sie 4 Fünftel ihres Gewichts verlieren. Für 1 kg Trockengewicht werden ca. 150'000 Blüten benötigt. Der Geschmack des Munder-Safrans ist viermal intensiver als der des Importierten. Um Streckungen zu verhindern wird er nur als Narben verkauft.

Dank der 1979 gegründeten Safranzunft konnte der Niedergang des Anbaus gestoppt werden. Heute werden auf über 16'000 m2 in guten Jahren 4 kg geerntet. Die Zunft hat den AOC-Schutz erreicht, kümmert sich um das Safranmuseum, Führungen, Vorträge und den Verkauf. Da die Nachfrage weit grösser ist als die Ernte, gibt es im freien Markt keinen Munder-Safran zu kaufen. Edi sollte im Auftrag seines Sohnes Safran kaufen, die Wirtin des Restaurants Safran bestätigte ihm schriftlich, dass sie den restlichen für den Eigengebrauch benötige. Heutiger Preis übrigens CHF 28 pro Gramm, Gold gegenwärtig CHF 42.

Der Tourenleiter:
Rolf Vogt Erde

Fotos:
Edi Ehrbahr, St. Gallen
Peter Solenthaler, Winterthur
 

 

 


2010 Safranessen
Rote Narben als Gewürz


2010 Safranessen
Ein Feld mit Safranblüten


2010 Safranessen
durstige Kehlen trotz Regen


2010 Safranessen
Safranhauptgang


>>>weitere Bilder



 
           
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